wiedermorgenmond

GEDANKENSPLITTER #29 | faktenheft einer lebenszeit

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habe noch niemals den herbst so geliebt

… für seine halbheit
… für seine erdigkeit
… für seine schleier
… für seine kraft

doch dieses jahr ist eh schon anders
dieses jahr ist noch frisch irgendwie
und die umarmung der vergehens mir

willkommen.

GEDANKENSPLITTER #28 | faktenheft einer lebenszeit

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Und diese Fläche dort dahinter,
wo sich die Wolken übereinanderschieben –

Dieser helle Fleck Weiss zwischen
abendfarbenen Regengedanken –

Er könnte doch ebensogut der Mond sein.

Ein bisschen grösser vielleicht.
Ein bisschen strahlender.

Aber dennoch der Mond, weiss du –
Gerade so, wie wir es uns denken.

HERZZEILEN #31 | tagebuch ungedachter worte

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Einander lieben für-
einander alles sein.

Einander schätzen mit-
einander anders sein.

Einander achten für-
einander albern sein.

Einander stärken an-
einander Helden sein.

Einander glauben für-
einander Hoffnung sein.

Einander kennen mit-
einander Träumer sein.

Einander fühlen für-
einander wirklich sein.


Einander heilen mit
einander Herzen.


Einander sein für
immer.

HERZZEILEN #30 | tagebuch ungedachter worte

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Im Schatten des Oleanders
denke ich im Fliessen der Zeit
über die Friedlichkeit der Vergänglichkeit
und den Wert des Verlorenseins nach.

Giftig die Gedanken doch
getragen im Inneren das Herz
weiss ich doch über die Flüchtigkeit letztlich
dass sie ausmacht was immer wir werden.

Niemals hoffnungslos die Hoffnung,
niemals verloren der Verlust,
niemals heilbar die Liebe.

Im Schatten des Oleanders
glaube ich im flutenden Licht
noch immer an das Feuerwerk der Zukunft
und das haltlose Lachen der Ewigkeit.

GEFÜHLSWIND #14 | im atemzug der welt

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und wenn auch nur für ganz kurz
diesen einen augenblick für sich stehlen
und in sein herz sinken lassen …

vielleicht aus dem fenster blicken in eine welt
die nur gerade jetzt diese tausend wunder zeigt
um für diesen moment neugeboren zu werden
für die flüchtigkeit der ewigkeit.

daraus ein stilles lächeln schöpfen
und voller lebensgeister zurückkehren
ins zerrinnen der zeit.

GEFÜHLSWIND #13 | im atemzug der welt

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ausbrechen.
nicht aus bestehenden strukturen
nicht aus der eigenen vergangenheit
nicht aus dem trist gewordenen alltag
…. nein.

ausbrechen vielleicht aus der traurigkeit
ausbrechen vielleicht aus dem glück
ausbrechen mit offenen augen
und aus voller seele

ausbrechen wie atemholen nach einer ozeanüberquerung
ausbrechen wie ein schrei der himmelwärts strebt
immer höher und um nie zurückzukehren

ausbrechen aus zielen.
ausbrechen aus handeln.
ausbrechen aus zeit und raum.
ausbrechen aus leben.

ausbrechen aus der wahrheit,
die vom verstand gezeichnet wird
und gedankenverlierend einfach …

lieben.

TANKA #02 | liebesverwegen

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trüb ist dieser tag
nebelschwaden durchwandern
suchend jeden ort

bis sie den platz finden an
dem die sonne für sie scheint

HERZZEILEN #29 | tagebuch ungedachter worte

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Regen fällt und verschleiert meine Sicht
wie ein Geliebter, der seine Hände auf meine Augen legt,
damit ich seine Berührungen auf meinem Körper
mit all meinen Sinnen wahrnehmen kann.

Und so schliesse ich meine Augen und gebe mich hin …

Seine Streicheleinheiten erinnern mich an früher,
damals, als ich noch in seiner Umarmung tanzte,
barfuss und ohne jedes Bedenken oder Urteil,
als ich noch versonnen aus dem Fenster blickte,
nur um die tausend Tropfen darauf zu zählen
und meinen stillen Bruder bei mir zu begrüssen.

Langsam klärt sich der Dunstschleier
und sanftes Licht weckt mich aus meinem Träumen …

Als ich schliesslich meine Augen wieder öffne
ahne ich gerade noch seine Silhouette in die Ferne gleiten,
noch nie mehr als eine flüchtige Erinnerung, bis auf
dieses gütige Lächeln seiner Gegenwart.

Leise bricht mein Herz
und wird von Liebe geschwemmt.

TANKA #01 | liebesverwegen

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erinnerungen …
zwischen beginn und ende
wiedergefunden

schritt für schritt führt die reise
zu verlorengeglaubtem

HERZZEILEN #28 | tagebuch ungedachter worte

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Tief sind die Wurzeln,
die mich halten, hier bei dir,
und jede meiner Tränen
beweist und nährt
eine jede ihrer Fasern.

Und wie die Fasern meines Herzens
– so erklärtest du mir einst –
verlaufen auch die ihren längs und quer
und bilden ein reisssicheres Geflecht
aus Erinnerung, Zuversicht und Liebe.

Und so stehe ich hier am Bahnsteig
ängstlich und zitternd und weiss,
dass wir beide ewig sind, irgendwie
– wie ein Tropfen Schicksal –
und deine Berührung überall währt.

Tief sind die Wurzeln und
hoch ist die Krone unseres Heims
und ihr Ruf wird mir folgen
wachsam und leitend
bis ich heimkehre zu dir.