wiedermorgenmond

HERZZEILEN #31 | tagebuch ungedachter worte

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Einander lieben für-
einander alles sein.

Einander schätzen mit-
einander anders sein.

Einander achten für-
einander albern sein.

Einander stärken an-
einander Helden sein.

Einander glauben für-
einander Hoffnung sein.

Einander kennen mit-
einander Träumer sein.

Einander fühlen für-
einander wirklich sein.


Einander heilen mit
einander Herzen.


Einander sein für
immer.

HERZZEILEN #30 | tagebuch ungedachter worte

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Im Schatten des Oleanders
denke ich im Fliessen der Zeit
über die Friedlichkeit der Vergänglichkeit
und den Wert des Verlorenseins nach.

Giftig die Gedanken doch
getragen im Inneren das Herz
weiss ich doch über die Flüchtigkeit letztlich
dass sie ausmacht was immer wir werden.

Niemals hoffnungslos die Hoffnung,
niemals verloren der Verlust,
niemals heilbar die Liebe.

Im Schatten des Oleanders
glaube ich im flutenden Licht
noch immer an das Feuerwerk der Zukunft
und das haltlose Lachen der Ewigkeit.

HERZZEILEN #29 | tagebuch ungedachter worte

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Regen fällt und verschleiert meine Sicht
wie ein Geliebter, der seine Hände auf meine Augen legt,
damit ich seine Berührungen auf meinem Körper
mit all meinen Sinnen wahrnehmen kann.

Und so schliesse ich meine Augen und gebe mich hin …

Seine Streicheleinheiten erinnern mich an früher,
damals, als ich noch in seiner Umarmung tanzte,
barfuss und ohne jedes Bedenken oder Urteil,
als ich noch versonnen aus dem Fenster blickte,
nur um die tausend Tropfen darauf zu zählen
und meinen stillen Bruder bei mir zu begrüssen.

Langsam klärt sich der Dunstschleier
und sanftes Licht weckt mich aus meinem Träumen …

Als ich schliesslich meine Augen wieder öffne
ahne ich gerade noch seine Silhouette in die Ferne gleiten,
noch nie mehr als eine flüchtige Erinnerung, bis auf
dieses gütige Lächeln seiner Gegenwart.

Leise bricht mein Herz
und wird von Liebe geschwemmt.

HERZZEILEN #28 | tagebuch ungedachter worte

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Tief sind die Wurzeln,
die mich halten, hier bei dir,
und jede meiner Tränen
beweist und nährt
eine jede ihrer Fasern.

Und wie die Fasern meines Herzens
– so erklärtest du mir einst –
verlaufen auch die ihren längs und quer
und bilden ein reisssicheres Geflecht
aus Erinnerung, Zuversicht und Liebe.

Und so stehe ich hier am Bahnsteig
ängstlich und zitternd und weiss,
dass wir beide ewig sind, irgendwie
– wie ein Tropfen Schicksal –
und deine Berührung überall währt.

Tief sind die Wurzeln und
hoch ist die Krone unseres Heims
und ihr Ruf wird mir folgen
wachsam und leitend
bis ich heimkehre zu dir.

HERZZEILEN #27 | tagebuch ungedachter worte

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Heute Nacht flog
eine Krähe an meinem Fenster vorbei
und bog von dort ab
in meine Träume.

Sie brachte mir
einen erfrorenen Spatz auf meine Schwelle
den anzufassen ich aus Angst
nicht wagte.

Da kamst du
… mein Atem stockte als du näher tratest …
nahmst ihn behutsam in deine hohle Hand
und ich staunte während seine Starre
… unsere Blicke trafen sich …
langsam verging.

Du gabst ihn mir
und sachte strichen meine Finger über sein Gefieder
bis es wieder flauschig war
und bebte.

Heute Morgen sass
eine Taube auf meiner Fensterbank
und so dankte ich ihr
für deine Liebe.

HERZZEILEN #26 | tagebuch ungedachter worte

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ein wunder weit weg
ahne ich deine silhouette
hinter morgentaunassem atem

doch ein wunder weit weg schon
verblasst deine struktur und verweht
im ersten sonnenstrahl.

HERZZEILEN #25 | tagebuch ungedachter worte

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tragen wir die sonne in unseren herzen,
in unseren augen, so sind
unsere wimpern die vogelschwärme, die über ihr antlitz kreuzen
wenn sie auf die erde blickt und golden strahlend lacht.

doch der mond zeigt sich nur abends,
nur wenn die letzten vogelschwärme ruhn, erst dann
erstrahlt die iris silberhell und webt ihr liebeslied ins dämmerlicht
der ungesehenen wunderwelt die sie erträumt.

während die sonne schläft –
doch die sonne schläft.

HERZZEILEN #24 | tagebuch ungedachter worte

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es ist ein ort des abends
dieser schöne flecken welt

ich glaube ich
vermisse meinen bruder

ein sanftes Rot fällt auf meine wangen
und Wärme streichelt mein herz das seine
sehnsucht teilt und doch die zuflucht
nicht erkennt …

meine träne zeigt den vollmond und sein
zartes silberlicht auf meinem perlenschleier*

es ist ein ort des abends
dieser schöne flecken welt
doch es ist nicht
daheim

*nebelwogen und tau

HERZZEILEN #23 | tagebuch ungedachter worte

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ich tanze mit dir
im stillen sternenlicht
und zu mondhellem traumgesang
barfuss im puderzuckerschnee
unseres kleinen vorgartens

im kreis drehend
immer
und immer wieder

unsere füsse werden langsam taub.

HERZZEILEN #22 | tagebuch ungedachter worte

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bevor du da warst war
alles kleiner

ein kleineres lachen
kleinere gefühle
kleine träume

kleinere
schatten

mein herz läuft über
und kommt nicht hinterher

wünschte nur du wärst bei mir.

HERZZEILEN #21 | tagebuch ungedachter worte

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worte zu lieben
ist wie das flüchtige lächeln
einer vorbeifliegenden schwalbe für mich.

doch bitte,
versuch nicht sie festzuhalten
denn ihr wunder verginge noch im selben augenblick.